Tatjana Lee

@Masterbound

That`s me

STARGAST
Wischmopp ist Weltmeister

Der kantige Carles Puyol hat trotz seiner zweifelhaften Frisur alles erreicht. Der 32-jährige wollte als Junge Polizist werden, nun ist er Kapitän beim FC Barcelona  und Welt- und Europameister mit Spanien.

Nach 90 Länderspielen ist noch lange nicht Schluss: Carles Puyol hat seinen Rücktritt vom Rücktritt aus der spanischen Selección erklärt. Foto Pixathlon


Von weitem könnte man es für einen Wischmopp halten. Eine unförmige Masse, kommt man näher, sieht man: Haare. Carles Puyol, Weltmeister und Kapitän des FC Barcelona will sich seine Naturkrause nicht abschneiden. Sämtliche Wetten, die ihm für den Fall des WM-Sieges angeboten wurden, schlug er aus. „Ich liebe meine Haare. Und es ist sicher eine Sache, die mich im Vergleich zu anderen Spielern auf den ersten Blick erkennbar macht.“

Carles Puyol, 32 Jahre, 1,78 Meter groß. Ein Mann wie ein Baumstamm. Er ist Welt- und Europameister. Auf dem Höhepunkt seiner Nationalmannschaftskarriere hat er seinen Rücktritt aus der Selección erklärt. In Spanien ist er populär, wie der ähnlich frisierte Rudi Völler in Deutschland.  Im Jahr 2006 hingen in Barcelona riesige Plakate eines Shampoo-Herstellers. Puyol mit Glatze. Eine Fotomontage.

Puyol selber erzählt gerne die Anekdote, als ihn Louis van Gaal als Nachwuchsspieler in sein Büro rufen ließ. „Was ist dein Problem?“, fragte der damalige Cheftrainer bei Barça. Ob er sich keinen Friseur leisten könne? Puyol wusste, es war besser zu schweigen. Mit dem streng gescheitelten Holländer legt man sich besser nicht an. Doch die Brian-May-Naturkrause blieb.

Die deutschen Nationalspieler waren in den Achtzigern ähnlich zweifelhaft frisiert. Die gegelte heutige Generation wird noch lange an Puyol denken müssen. Im WM-Halbfinale,  es lief die 73. Minute, köpfte er das entscheidende Tor im Anschluss an einen Eckball. Es war wie ein Tor aus den Achtzigern, als Horst Hrubesch, Ditmar Jakbs oder Hans-Peter Briegel ähnlich kantig zu Werke gingen. Ein Treppenwitz, dass die sonst so filigran spielende Seleccion auf das Stilmittel der Kraft setzen musste. Aber mit einem Carles Puyol ging das in Südafrika. Ein „Ausnahmeathlet“ sei Puyol, sagt Ricard Pruna, der bei Barca für die Leistungstest zuständig ist. Niemand im Kader verfüge über eine  größere Muskelkraft und Explosivität im Kader – mit weitem Abstand.

Carles Puyol kann von sich behaupten, der Mannschaftskapitän von Ronaldinho, Messi, Deco oder Eto’o gewesen zu sein. Danach sah es als Nachwuchsspieler Barcelonas nicht aus, beinahe häte ihn sein Klub frühzeitig abgeschoben: 1998, er spielt er in der dritten Mannschaft, wollten sie ihn nach Málaga verkaufen. „Zu dieser Zeit sollte Xavi in der ersten Mannschaft mittrainieren. Ich war richtig schlecht“, erinnert sich Puyol. Einige Zufälle und die Länderspielreisen einiger Stars spülten ihn dann doch noch auf den Trainingsplatz. Er wird nicht mehr weggeschickt, war hinter Michael Reiziger und Ronald de Boer anfangs als dritte Wahl für Louis van Gaal.

Sein Durchbruch gelingt bei einem „Clásico“ im Jahr 2000. Es war das Spiel als Louis Figo im Trikot von Real Madrid nach Camp Nou zurückkehrt. Die Barca-Fans bewerfen den „Verräter“ mit einem Schweinskopf, und an dem linken Verteidiger kommt Figo in den 90 aufgeheizten Minuten nicht vorbei. „Puyi“ wird zum Publikumsliebling, der dem Passspiel der Katalanen mit seinem Zweikampfverhalten Sicherheit verleiht. In dieser Disziplin sieht ihn sein ehemaliger Trainer Frank Rijkaard weltweit vorne: „Ob als Trainer oder Spieler habe ich selten einen Spieler gesehen, der im Eins-gegen-eins so stark ist wie er.“

Es hört sich relativ einfach an, was Puyol da macht: Der Abwehrspieler lässt dem Stürmer etwas Platz, um ihn im Glauben zu lassen, dass er ein Dribbling versuchen kann. Er bietet ihm eine Seite an – und „mit einen Schlag“ greift er ihn aggressiv an. Der Katalane hat auf diese Weise einen einsamen Rekord aufgestellt: 22 Balleroberungen in einem Ligaspiel der Primera División, zwei mehr als der bisherige Branchenprimus Sergio Ramos.

Der Sohn einer katalanischen Bauernfamilie, wollte in seiner Jugend Polizist werden. In Interviews sagt er Sätze, die vom früheren Gladbacher und Weltmeister Berti Vogts stammen könnten. „Technisch bin ich kein Romario. Ich muss mehr arbeiten als andere.“ Inzwischen hat Puyol auf internationaler Ebene ähnlich viele Trophäen gewonnen wie Vogts: Er war Olympiasieger 2000 mit dem spanischen Team, ist Europa- und Weltmeister, Champions-League-Sieger 2006 und 2009 mit Barcelona und Weltpokalsieger.

Während Vogts nur ein einziges Länderspieltor, es war gegen Malta, gelang, wird Puyol in Spanien noch in 30 Jahren mit dem Kopfball gegen Deutschland in Verbindung gebracht werden. Beim Überraschungsbesuch von Königin Sofia stand der Torschütze unter der Dusche. Mit einem Badetuch um die Hüften stand er vor der Monarchin, das Haar hing nass an seinen Schultern herunter, die Mitspieler feierten ihn mit "Puyi" rufen und da musste schließlich auch die Königin lächeln.

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1353 days ago

STARGAST
Wischmopp ist Weltmeister

Der kantige Carles Puyol hat trotz seiner zweifelhaften Frisur alles erreicht. Der 32-jährige wollte als Junge Polizist werden, nun ist er Kapitän beim FC Barcelona und Welt- und Europameister mit Spanien.

Nach 90 Länderspielen ist noch lange nicht Schluss: Carles Puyol hat seinen Rücktritt vom Rücktritt aus der spanischen Selección erklärt. Foto Pixathlon


Von weitem könnte man es für einen Wischmopp halten. Eine unförmige Masse, kommt man näher, sieht man: Haare. Carles Puyol, Weltmeister und Kapitän des FC Barcelona will sich seine Naturkrause nicht abschneiden. Sämtliche Wetten, die ihm für den Fall des WM-Sieges angeboten wurden, schlug er aus. „Ich liebe meine Haare. Und es ist sicher eine Sache, die mich im Vergleich zu anderen Spielern auf den ersten Blick erkennbar macht.“

Carles Puyol, 32 Jahre, 1,78 Meter groß. Ein Mann wie ein Baumstamm. Er ist Welt- und Europameister. Auf dem Höhepunkt seiner Nationalmannschaftskarriere hat er seinen Rücktritt aus der Selección erklärt. In Spanien ist er populär, wie der ähnlich frisierte Rudi Völler in Deutschland. Im Jahr 2006 hingen in Barcelona riesige Plakate eines Shampoo-Herstellers. Puyol mit Glatze. Eine Fotomontage.

Puyol selber erzählt gerne die Anekdote, als ihn Louis van Gaal als Nachwuchsspieler in sein Büro rufen ließ. „Was ist dein Problem?“, fragte der damalige Cheftrainer bei Barça. Ob er sich keinen Friseur leisten könne? Puyol wusste, es war besser zu schweigen. Mit dem streng gescheitelten Holländer legt man sich besser nicht an. Doch die Brian-May-Naturkrause blieb.

Die deutschen Nationalspieler waren in den Achtzigern ähnlich zweifelhaft frisiert. Die gegelte heutige Generation wird noch lange an Puyol denken müssen. Im WM-Halbfinale, es lief die 73. Minute, köpfte er das entscheidende Tor im Anschluss an einen Eckball. Es war wie ein Tor aus den Achtzigern, als Horst Hrubesch, Ditmar Jakbs oder Hans-Peter Briegel ähnlich kantig zu Werke gingen. Ein Treppenwitz, dass die sonst so filigran spielende Seleccion auf das Stilmittel der Kraft setzen musste. Aber mit einem Carles Puyol ging das in Südafrika. Ein „Ausnahmeathlet“ sei Puyol, sagt Ricard Pruna, der bei Barca für die Leistungstest zuständig ist. Niemand im Kader verfüge über eine größere Muskelkraft und Explosivität im Kader – mit weitem Abstand.

Carles Puyol kann von sich behaupten, der Mannschaftskapitän von Ronaldinho, Messi, Deco oder Eto’o gewesen zu sein. Danach sah es als Nachwuchsspieler Barcelonas nicht aus, beinahe häte ihn sein Klub frühzeitig abgeschoben: 1998, er spielt er in der dritten Mannschaft, wollten sie ihn nach Málaga verkaufen. „Zu dieser Zeit sollte Xavi in der ersten Mannschaft mittrainieren. Ich war richtig schlecht“, erinnert sich Puyol. Einige Zufälle und die Länderspielreisen einiger Stars spülten ihn dann doch noch auf den Trainingsplatz. Er wird nicht mehr weggeschickt, war hinter Michael Reiziger und Ronald de Boer anfangs als dritte Wahl für Louis van Gaal.

Sein Durchbruch gelingt bei einem „Clásico“ im Jahr 2000. Es war das Spiel als Louis Figo im Trikot von Real Madrid nach Camp Nou zurückkehrt. Die Barca-Fans bewerfen den „Verräter“ mit einem Schweinskopf, und an dem linken Verteidiger kommt Figo in den 90 aufgeheizten Minuten nicht vorbei. „Puyi“ wird zum Publikumsliebling, der dem Passspiel der Katalanen mit seinem Zweikampfverhalten Sicherheit verleiht. In dieser Disziplin sieht ihn sein ehemaliger Trainer Frank Rijkaard weltweit vorne: „Ob als Trainer oder Spieler habe ich selten einen Spieler gesehen, der im Eins-gegen-eins so stark ist wie er.“

Es hört sich relativ einfach an, was Puyol da macht: Der Abwehrspieler lässt dem Stürmer etwas Platz, um ihn im Glauben zu lassen, dass er ein Dribbling versuchen kann. Er bietet ihm eine Seite an – und „mit einen Schlag“ greift er ihn aggressiv an. Der Katalane hat auf diese Weise einen einsamen Rekord aufgestellt: 22 Balleroberungen in einem Ligaspiel der Primera División, zwei mehr als der bisherige Branchenprimus Sergio Ramos.

Der Sohn einer katalanischen Bauernfamilie, wollte in seiner Jugend Polizist werden. In Interviews sagt er Sätze, die vom früheren Gladbacher und Weltmeister Berti Vogts stammen könnten. „Technisch bin ich kein Romario. Ich muss mehr arbeiten als andere.“ Inzwischen hat Puyol auf internationaler Ebene ähnlich viele Trophäen gewonnen wie Vogts: Er war Olympiasieger 2000 mit dem spanischen Team, ist Europa- und Weltmeister, Champions-League-Sieger 2006 und 2009 mit Barcelona und Weltpokalsieger.

Während Vogts nur ein einziges Länderspieltor, es war gegen Malta, gelang, wird Puyol in Spanien noch in 30 Jahren mit dem Kopfball gegen Deutschland in Verbindung gebracht werden. Beim Überraschungsbesuch von Königin Sofia stand der Torschütze unter der Dusche. Mit einem Badetuch um die Hüften stand er vor der Monarchin, das Haar hing nass an seinen Schultern herunter, die Mitspieler feierten ihn mit "Puyi" rufen und da musste schließlich auch die Königin lächeln.

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